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Crowd-Funding-Kampage von ununitv

24.Juni 2013  

Ununitv ist ein Projekt, das gerade mit seiner Crowd-Funding-Kampage Furore im Netz macht. Das Ziel:

Zukünftig möchten wir allen Menschen mit Spass an einem unkonventionellen Lebensstil die Möglichkeit bieten, sich online zu vernetzen, wechselseitig auszutauschen und zu videokompetenten Fachexpert/innen zu qualifizieren, so dass sie sich über unser späteres Shop-System ein weiteres finanzielles Standbein aufbauen können. Gleichzeitig besteht für die Öffentlichkeit die Möglichkeit, über das daraus entstehende Online-Videoangebot an deren Knowhow teilzuhaben.

Zusammengefasst könnte man das eine Online-Universität nennen, die keine Universität sein will – eine Un-Uni eben. Die MacherInnen, allen voran Anja C. Wager gehen kompetent und mit fundiertem KnowHow ans Werk, das zeigt auch das Interview, das ich im Rahmen des ich.kurs 13 mit Anja C. Wagner über das Projekt FlowShower geführt habe.

Das Team brennt für die Sache, das zeigt auch der flammende Aufruf im ununitv-Blog. Gut gebrüllt, Löwe! Im Beitrag werden die „BesserwisserInnen“ aufgerufen,  zu „Ermöglichern“ zu werden. Trotzdem möchte ich in drei Punkten, in denen ich anderer Meinung bin, „vom Spielfeldrand aus“ kommentieren:

  1. „Das Bildungssystem“ gibt es nicht. Es gibt lediglich einzelne Menschen, die innerhalb eines System mal ihr Bestes geben, mal eben auch nicht. Ein ganzes System als borniert zu bezeichnen, führt nicht weiter. Weil es nicht gelingen wird, ein etabliertes System als Ganzes umzukrempeln, gilt es „im Kleinen“ anzufangen. Deshalb begeistern mich Initiativen einzelner Lehrerender, die sich konsequent für Veränderung einsetzen. Und da habe ich in den letzten Monaten, auch und gerade im MOOC-Kontext viele interessante Sachen gesehen.
  2. Ich glaube eine Veränderung ist nur in und mit bestehenden Systemen möglich. Dazu braucht es manchmal Initiativen, die quer zu allem laufen, was es bisher gab. Hier wird ununitv seinen Platz finden, wenn nicht im ersten Finanzierungsanlauf, dann im Zweiten. Das bestehende Bildungssystem (das im Übrigen ja nicht nur aus Universitäten besteht, sondern neben Schulen und Kindergärten auch das rießige Feld der betrieblichen Bildung einschließt) bietet aus meiner Sicht aber genügend „Angriffspunkte“ für Innovation und Veränderung, ohne alles „über Bord zu werfen“. Das dauert aber lange, und ist ziemlich anstrengend.
  3. Leute, die vom Spielfeldrand aus kommentieren und zwar in einer wohlwollenden und gleichzeitig kritischen Art, sind ein großes Potential. Zunächst richtet sich das Projekt noch an eine Elite von Web-Bewohnern, die souverän und selbstbestimmt mit dem Netz umgehen können, und sich das auch leisten können. Und die sind nunmal äußerst „diskussionsfreudig“. Denn: „Noch ist das Internet für uns alle Neuland“.

Für ununitv bedeutet das:

  1. Setzt auf Einzelne, die sich begeistern lassen und in Ihren Netzwerken und Systemen Veränderungen anstoßen.
  2. Habt einen langen Atem. Revolutionen dauern lange, wenn Sie unblutig und ohne Tote ablaufen sollen.
  3. Ihr arbeitet noch nicht für die Masse, sondern für einen kleinen, und erst mit der Zeit größer werden Kundenkreis.

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2 Responses

  1. acw sagt:

    Danke, Johannes Moskaliuk 🙂

    Natürlich hat das Bildungssystem, so wie es derzeit besteht, ein System. Es besteht aus den von dir angesprochenen Institutionen, den darin agierenden Menschen, den bürokratischen Prozessen, den politischen Ränkespielen, den ökonomischen Verwertungsinteressen und dem kulturellen Verständnis, was Bildung eigentlich sei. Dieses System als solches ist borniert, weil es völlig ausser Acht lässt, dass Bildung vor allem informell geschieht – durch Netz-Arbeiten, ehrenamtliche Tätigkeiten, learning-on-the-job etc. pp. Diese weit vielfältigeren Strukturen werden aber nicht bildungspolitisch unterstützt – und du hast sicherlich Recht: Irgendwann werden solche quer gelagerten Projekte wie ununi.TV ihren Platz zum bestehenden formalen Bildungssystem finden, weil sie einige Lücken schliessen können. Gleichwohl ist „das System“ in sich völlig unflexibel und es bedient zuviele „Veto-Player“, die sehr gut leben mit und in diesem System.

    Wir könnten jetzt lange darüber diskutieren, warum und weshalb dieses System aus meiner Sicht nicht mehr den politischen Erfordernissen unserer Zeit entspricht – man blicke nur einmal auf die Heerschar an jungen, extrem gut ausgebildeten Menschen in Süd-Europa und überall sonst in der Welt, wo die Protestbewegungen sich Gehör verschaffen, die arbeitslos und ohne jedwede Perspektive sind. Das sind die Herausforderungen unserer Zeit – und ich denke, wir könnten das Geld, das in die Institutionen fliesst und dort v.a. den Wasserkopf bedient, weit effizienter einsetzen im Jahre 2013.

    Deine Empfehlung hinsichtlich der Konsequenzen für ununi.TV teile ich dagegen komplett. Nur mit dem langen Atem ist es so eine Sache. Das ist alles sehr arbeitsintensiv und ich sehe nicht, wie wir das Projekt in unserer Freizeit gestemmt bekommen. Das haben wir 2012 versucht und da bewegte sich nichts. Ich sehe keine Alternative zu einer Professionalisierung. Und dazu braucht es ein klein wenig Geld, um überleben zu können und Arbeiten anzustossen, die dringend erforderlich sind, um sich das Angebot besser vorstellen zu können. That’s the point.

  2. […] Diskussion zum Bildungssystem […]

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